Karl Schönswetter
Karl Schönswetter Kritik der zynischen Vernunft. Sonderausgabe.

Der nächste Großkrieg sieht nur noch Schizophrene und Maschinen als Kombattanten, Staatstragende Homunculi, lemurisch gespaltene Verwalter der Destruktivkräfte drücken, wenn "es sein muss", auf die entscheidenden Knöpfe, und heroische Roboter sowie denkfähige Höllenmaschinen stürzen sich aufeinander - das experimentum mundi ist zu Ende; der Mensch war ein Fehlschlag. Die Aufklärung kann nur ein Resümee ziehen: der Mensch ist nicht aufzuklären, weil er selbst die falsche Prämisse der Aufklärung war. Der Mensch genügt nicht. Er trägt in sich selbst das verdunkelnde Prinzip der Verstellung, und wo sein Ich erscheint, kann nicht leuchten, was durch alle Aufklärungen versprochen wurde: Licht der Vernunft.

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Gebt, Euch die Metrik. Das ist Rap!

3months ago
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Karl Schönswetter Kritik der zynischen Vernunft. Sonderausgabe.

Tauschzynismus. Ganz wichtiges Kapitel! (Vom Geld zum Marx zur Atombombe)

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Karl Schönswetter Die Ketzer des Wüstenplaneten. Der Wüstenplanet. Fünfter Roman.

Wenn das Buch immer die Geschwindigkeit von den letzten beiden Kapiteln gehabt hätte, wäre es nur 80 Seiten stark gewesen. Nicht unbedingt der beste Teil der feinen Reihe.

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Der Faschismus aktualisiert die Neigung des "bürgerlichen" Staates, mit "notwendiger Gewalt" das partikulär definierte "Gesamtinteresse" gegen die einzelnen durchzusetzen; wodurch er sich dabei auszeichnet, ist seine umstandslose Brutalität. Darum konnte es damals, beim Sprung des Faschismus zur Staatsmacht, einigen wesentlichen, nichtfaschistischen staatstragenden Interessengruppen (aus Wirtschaft und Parlament) in den Sinn kommen, die Faschisten zu unterstützen, in der Meinung, diese seien vielleicht der neue Besen, mit dem man störende "Einzel"interessen (unten) gut auskehren könne.

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Das Aussprechen gilt, im Grund bis heute, für skandalöser als die ausgesprochenen Tatsachen.

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Seit dem Jahr 1096 funktioniert der Heilige Krieg in den westlichen Zivilisationen als Spannungsventil; unter dem Druck eigener innerer Widersprüche und Verrücktheiten suchte man sich seither äußere, teuflische Feinde und führt gegen sie allerheiligste Kriege. Das Psychogramm der christlichen Zivilisationen trägt dieses - protofaschistische - Risiko in sich; in Krisenzeiten, wenn die Unlebbarkeit der gegensätzlichen ethischen Programmierungen verschärft spürbar wird, rückt daher regelmäßig der Augenblick heran, an dem der Druck nach außen explodiert.

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Karl Schönswetter Kritik der zynischen Vernunft. Sonderausgabe.

In der Regel verwechselt die Machtsprache die Ausdrücke; sie nennt die Kriegsvertagung Frieden; sagt Ordnung schaffen, wenn sie Unruhen unterdrückt; sie rühmt sich ihrer sozialen Gesinnung, wenn sie verschleierte Almosen gegeben hat; und sagt Gerechtigkeit, wenn Sie Gesetze exekutiert. Die dubiose Gerechtigkeit der Macht spiegelt sich in Anatole Frances großem Sarkasmus: Das Gesetz in seiner erhabenen Gleichheit verbietet Bettlern und Millionären in gleicher Weise, unter den Brücken zu schlafen.

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Die großen evolutionistischen Entwürfe nahmen das Weltböse, soweit es andern zustößt, hinweg und hinauf in die höheren Zustände späterer, erfüllter Zeiten: hierin gibt es formale Äquivalenzen zwischen der Vorstellung von Evolution, dem Begriff der Revolution, dem Begriff der Auslese, des Kampfs ums Dasein und des Überlebens der Tüchtigerein, der Idee des Fortschritts und dem Mythos der Rasse. Mit all diesen Konzepten wird eine Optik erprobt, die den Untergang der anderen objektiviert.

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Karl Schönswetter Kritik der zynischen Vernunft. Sonderausgabe.

Kynische Vernunft gipfelt in der - als Nihilismus verschrienen - Erkenntnis, dass man die großen Ziele abblitzen lassen muss. ... Wer allen sogenannten Zielen und Werten im kynischen Sinn eine Absage erteilt, sprengt den Zirkel der instrumentellen Vernunft, in welchem "gute" Ziele mit "bösen" Mitteln verfolgt werden. ... In dem Augenblick, in dem unser Bewusstsein reif wird, die Idee des Guten als eines Zieles fallenzulassen und sich dem, was schon da ist, hinzugeben, wird eine Entspannung möglich, in der das Auftürmen von Mitteln zugunsten imaginärer, immerferner Ziele sich von selbst erübrigt.

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Diogenes zeigt, dass die Menschen sich in der Regel für die falschen Dinge schämen, für ihre PHYSIS, für ihre animalischen Seiten, die in Wahrheit doch unschuldig sind, während sie ungerührt bleiben bei ihrer unvernünftigen und hässlichen Lebenspraxis, ihrer Gewinnsucht, Ungerechtigkeit, Grausamkeit, Eitelkeit, Voreingenommenheit und Verblendung.

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Karl Schönswetter Kritik der zynischen Vernunft. Sonderausgabe.

Der kosmopolitische Weise als Träger lebendiger Vernunft wird demnach erst dann sich vorbehaltlos in eine Gesellschaft eingliedern können, wenn diese zur Weltpolis geworden ist. Bis dahin ist seine Rolle unweigerlich die eines Störers; er bleibt der Gewissensbiß jeder herrschenden Selbstzufriedenheit und die Heimsuchung einer jeden lokalen Verengung.

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Diogenes und Jesus sind sich einig in der Ironie gegen die gesellschaftliche Arbeit, die über das notwendige Maß hinausgeht und bloßer Machterweiterung dient.

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Eine Armutsdogmatik kommt nicht in Betracht, wohl aber das Abwerfen von falschen Gewichten, die einem die Beweglichkeit rauben. Selbstquälerei ist für Diogenes bestimmt eine Dummheit, noch dümmer freilich sind unter seinem Blick diejenigen, die lebenslang hinter etwas herrennen, was er ohnehin besitzt; der Bürger kämpft mit den Schimären des Ehrgeizes und strebt nach einem Reichtum, mit dem er schließlich auch nicht mehr anfangen kann als das, was in den elementaren Genüssen des kynischen Philosophen eine täglich wiederkehrende Selbstverständlichkeit ist.

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Ist die Blochsche Hoffnung - wie behauptet wird - ein Gebilde des Ressentiments? Ich glaube, man hat, wenn man es so nimmt, nicht genau genug auf die "Nachricht" des Wärmestroms gehört. Seine Mitteilung ist nicht das Prinzip Nein. Prinzipielle Hoffnung steht für "Biophilie" (Fromm); sie ist eine Chiffre der schöpferischen Lebensfreundlichkeit. Mit ihr folgt das Lebendige einer fraglosen Erlaubnis, zu sein und zu werden. Das begründet seinen Widerspruch zur vorherrschenden Mentalität der Sorge und der Selbsthemmung.

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Bei der kritischen Vernichtung von Stirner und Bakunin ging er gewissermaßen über seine eigene Leiche, den konkreten, existentiellen, ja letztlich "weiblichen" Teil seiner Intelligenz. Mit diesem hatte er noch realistisch-konkret gegen Hegel kritisch revoltiert; nun tritt er als Herrendenker gegen diese Seite in ihrer Einseitigkeit auf.

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Im Marxschen Werk gibt es nicht einen Bruch zwischen einer "ideologischen" und einer "wissenschaftlichen" Phase, sondern einen Bruch zwischen zwei Modalitäten der Reflexion - einer kynisch-offensiven, humanistischen, emanzipatorischen Reflexion und einer objektivistischen herrenzynischen Reflexion, die das Freiheitsstreben anderer im Stil einer funktionalistischen Ideologiekritik verhöhnt.

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Weder mit Herrschaftsgrandiosität noch mit moralisch-kultureller Hegemonie dringt das Arbeiter-Ich in die öffentliche Welt ein. Es hat keinen primären narzißtischen Willen zur Macht. An der Mißachtung dieser Bedingung sind alle bisherigen Arbeiterbewegungen und Sozialismen gescheitert.

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Hier werden die klassenspezifischen, neuartigen Hochgefühle der bürgerlichen Kultur eingeübt - die "Lust, ein Bürger zu sein": das Fortschrittsbewusstsein, der Stolz sich heraufgearbeitet und es weit gebracht zu haben, der Stolz des moralischen und historischen Fackelträgers; die Freude an der eigenen moralischen Sensibilität; das demonstrative Vergnügen an der eigenen Bildung; die Lust am zugleich belesenen und naiven Naturgefühl; die Selbstbewunderung der Klasse in ihren musikalischen, dichterischen und wissenschaftlichen Genies; die Freude am Gefühl der Unternehmung, der Erfindung und der geschichtlichen Bewegung; schließlich der Triumph des politischen Mitredens

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Die Berufung auf "Natur" hat ideologisch immer etwas zu bedeuten, weil sie eine künstliche Naivität erzeugt. Sie deckt den menschlichen Beitrag zu und beteuert, die Dinge seien von Natur aus, vom Ursprung her in der "Ordnung" vorgegeben, in welcher unsere stets "interessierten" Darstellungen sie zeichnen. In allen Naturalismen stecken Ansätze zu Ordnungsideologien. Jeder Naturalismus beginnt als freiwillige Naivität und endet als gewollte.

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Am Ende muß die Kritik es wenigstens so weit bringen, dass sie das, was die "Natur" uns vorgibt, als neutral und tendenzlos erkennt, so daß jede Wertung und jede Tendenz unzweifelhaft als Sache der Kultur durchschaut werden kann. Wenn auch die "gute Natur" Rousseaus dahin ist, so hat Rosseau wenigstens gelernt, keine "schlechte Natur" als Ausrede für soziale Unterdrückungen mehr hinzunehmen.

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